Urlaub trotz Hindernissen: Die Kuhlemanns kämpfen für Barrierefreiheit
Die Reisezeit ist für viele eine willkommene Auszeit vom Alltag, eine Möglichkeit, neue Orte zu entdecken und frische Luft zu schnappen. Doch für Menschen mit Behinderungen kann das Reisen zu einer echten Herausforderung werden. Das weiß auch die Familie Kuhlemann aus Bremen. Ihre Tochter Emma, 13 Jahre alt, leidet an einem seltenen Gendefekt, der ihre Bewegungsfreiheit stark einschränkt. Sie kann nicht selbstständig laufen, sprechen, und ist blind sowie geistig eingeschränkt. Trotz der schweren Umstände möchte die Familie ihr ein möglichst normales Leben ermöglichen, und dazu gehört auch der gemeinsame Urlaub.
Die Kuhlemanns kämpfen jedoch mit der Realität der Barrierefreiheit. Die Suche nach geeigneten Ferienunterkünften, die den speziellen Bedürfnissen von Emma gerecht werden, gestaltet sich als alles andere als einfach. Sie brauchen eine spezielle Ausstattung – ein Pflegebett, einen Duschstuhl, Vorlagen, Sondennahrung und sogar einen Spezial-Fahrradanhänger. Wie Finn Riethmöller von der Lebenshilfe Bremen erklärt, sind viele Hotels nicht barrierefrei, und die nötigen Informationen dazu sind oft schwer zu finden. „Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung zur Barrierefreiheit für Hotels und Anbieter“, sagt Riethmöller. Das ist für die Kuhlemanns besonders frustrierend, denn sie möchten einfach nur einen entspannten Urlaub verbringen.
Urlaub im Kinderhospiz Löwenherz
Umso mehr schätzen sie die Möglichkeit, seit einigen Jahren eine Woche im Ferienhaus des Kinderhospizes Löwenherz in Bad Zwischenahn zu verbringen. Das Ferienhaus ist gut ausgestattet und bietet Emma die nötige Unterstützung, wie einen mobilen Lifter. „Löwenherz“ ist eines der wenigen Kinderhospize in Deutschland, das solch ein Ferienhaus exklusiv für Familien mit lebensbegrenzend erkrankten Kindern anbietet. Hier haben die Kuhlemanns die Gelegenheit, sich zu erholen und einfach mal zu entspannen. Es gibt sogar die Möglichkeit, bis zu 28 Tage im Jahr in einem der 22 stationären Kinderhospize in Deutschland zu verbringen – eine wertvolle Auszeit von der ständigen Pflege.
In diesem Jahr planen die Kuhlemanns, ihre Sommerferien ein wenig anders zu gestalten: Emma bleibt im Kinderhospiz, während die Eltern mit ihrer anderen Tochter Sophie nach Fehmarn fahren. Katharina Kuhlemann erklärt, dass im Alltag oft Emma im Mittelpunkt steht, und sie möchten sich einfach einmal im Jahr Zeit für Sophie nehmen. Das wird sicher eine interessante Erfahrung, auch wenn die Familie nach ein paar Tagen unruhig wird, denn sie freuen sich immer, wieder zusammen zu sein.
Tipps für barrierefreies Reisen
Es ist jedoch nicht nur die Familie Kuhlemann, die diese Herausforderungen erlebt. In Deutschland leben etwa acht Millionen Menschen mit Schwerbehinderung. Immer mehr Reiseveranstalter erkennen die Notwendigkeit und bieten barrierefreie Urlaubsmöglichkeiten an. Das Projekt „Reisen für Alle“, gefördert vom BMWK, hat eine Karte mit barrierefrei zertifizierten Angeboten in Deutschland erstellt. Außerdem gibt es Internet-Portale wie „Reisen für Alle“, die nützliche Filter für barrierefreie Angebote bieten.
Für die Planung eines Urlaubs ist es ratsam, direkt bei den Anbietern nachzufragen, um verlässliche Informationen zu erhalten. Die Initiative Wheelmap liefert geprüfte Informationen zu barrierefreien touristischen Angeboten. Auch gemeinnützige Familienferienstätten bieten Erholung für Familien mit besonderen Bedürfnissen und sind eine wertvolle Anlaufstelle. Eine Liste dieser Einrichtungen und barrierefreier Ferienhäuser wird regelmäßig aktualisiert, sodass man stets einen Überblick hat.
Die Suche nach einem geeigneten Urlaubsort für Menschen mit Behinderungen bleibt eine Herausforderung, doch die Bemühungen um mehr Barrierefreiheit in der Reisebranche zeigen positive Entwicklungen. Die Familie Kuhlemann ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, trotz aller Hürden die schönen Seiten des Lebens zu genießen.
