Heute ist der 11.05.2026. Ein ganz normaler Tag in Bremen, könnte man meinen. Doch unter der Oberfläche brodeln Themen, die uns alle betreffen. Eine der drängendsten Fragen ist die nach der richtigen Unterstützung für psychisch Erkrankte in unserer Stadt. Anwälte schlagen Alarm: Das Hilfesystem für psychisch Kranke funktioniert nicht. Oftmals erhalten diese Menschen erst dann Hilfe, wenn sie straffällig werden. Ein besorgniserregender Zustand!

Ein Beispiel ist Valerian B., der im September 2025 festgenommen wurde, nachdem er 240 Autoreifen zerstochen hatte. Sein rechtlicher Betreuer, Zoltan Steinbächer, ist überzeugt: Die Taten hätten verhindert werden können, wenn Valerian B. früher die benötigte Unterstützung erhalten hätte. Mit einer langen Krankengeschichte war er bereits in der Forensik für psychisch kranke Straftäter untergebracht. Nach seiner Entlassung war er zunächst unauffällig – bis Lieferengpässe bei einem wichtigen Medikament zu einer Psychose führten. Ein Teufelskreis, der viel zu oft zu beobachten ist.

Ein System in der Krise

Die Misere wird durch die Tatsache verstärkt, dass in Bremen seit 2019 stationäre Betten in der Psychiatrie abgebaut wurden. Stattdessen setzt man auf ambulante Hilfen, die allerdings oft nicht ausreichen. Besonders bei obdachlosen oder drogenabhängigen Menschen ist eine Zustimmung zur Behandlung oft nicht gegeben. Die Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard betont zwar den Austausch zwischen Gesundheitsressort, Inneres und Soziales, doch das reicht nicht aus. Die Realität sieht anders aus: Immer wieder werden psychisch kranke Menschen in Polizeieinsätze verwickelt, was Jochen Kopelke von der Gewerkschaft der Polizei eindringlich beschreibt. Anwälte warnen, dass das System diese Menschen kriminalisiert, da viele erst nach Straftaten behandelt werden.

Ein weiteres Beispiel ist Stefan J., der im November 2024 das Vereinsheim eines Segelvereins in Brand steckte. Auch er wurde in der forensischen Psychiatrie untergebracht. Solche Fälle sind keine Einzelfälle. Statt eine präventive Herangehensweise zu verfolgen, wird oft erst nach dem Eintreten eines Verbrechens gehandelt. Der Staat hat die Aufgabe, Bürger vor gefährlichen, krankheitsbedingt beeinträchtigten Personen zu schützen. Doch wie kann das gelingen, wenn die Prävention so stiefmütterlich behandelt wird?

Die Lücken im System

Die forensische Psychiatrie hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert und ist heute ein differenziertes Versorgungssystem. Dennoch bleibt die Frage: Wie gut ist es wirklich? Betroffene erhalten oft nicht die gleichen Behandlungsangebote wie andere psychisch Erkrankte. Der Fachausschuss Forensik stellt fest, dass es an gesellschaftlicher Verantwortung fehlt. Es braucht einen mutigen Schritt seitens der politischen und administrativen Verantwortlichen, um zeitgemäße Versorgungs- und Kontrollmöglichkeiten zu schaffen.

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Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Personen, deren psychische Erkrankung die Ursache für ihre Taten war, bekommen oft mildernde Umstände. Im Durchschnitt werden gefährliche Personen rund acht Jahre in geschlossenen Einrichtungen untergebracht. Die Therapieangebote müssen sich dringend verbessern, da viele Patienten unter Hospitalisierungsschäden und Deprivation leiden. Es ist höchste Zeit, dass wir das Augenmerk auf eine frühzeitige Unterstützung legen, um eine forensische Unterbringung von vornherein zu verhindern.

Der Weg nach vorn

Die Entwicklungen in der forensischen Psychiatrie zeigen, dass Prävention eine zentrale Rolle spielen sollte. Ab den 2000er-Jahren wurden in Bayern forensisch-psychiatrische Ambulanzen und Nachsorgeeinrichtungen für entlassene Patienten eingerichtet. Diese Maßnahmen haben nachweislich zu früheren Entlassungen und geringeren Rückfallraten geführt. Hier in Bremen könnten wir von solchen Konzepten lernen. Das Potenzial ist riesig, doch es bedarf einer stärkeren Kooperation zwischen Allgemeinpsychiatrie und Forensik.

Es ist an der Zeit, dass wir die Stimmen derer hören, die im System gefangen sind. Valerian B. ist jetzt in der forensischen Psychiatrie, wo er die dringend benötigte Behandlung erhalten könnte. Doch wie viele andere bleiben im Dunkeln, bis es zu spät ist? Die Frage bleibt offen – und sie betrifft uns alle.