Heute ist der 10.05.2026, und während ich hier in Osterholz sitze, denke ich an eine ganz besondere Künstlerin, die vor 150 Jahren das Licht der Welt erblickte: Paula Modersohn-Becker. Sie hat von 1888 bis 1898 in Bremen gelebt, genauer gesagt in der Schwachhauser Heerstraße. Diese Zeit war für sie prägend und hat sie in ihrer künstlerischen Entwicklung stark beeinflusst. Ihre Werke gelten heute als Meilensteine des Expressionismus, auch wenn sie zu Lebzeiten kaum Gemälde verkaufen konnte. Komisch, oder? Manchmal erkennt man das Genie erst viel später.
Ihr Atelier befand sich bei Bauer Brünjes – eine bescheidene Stätte, die heute als Ferienunterkunft vermietet wird. Es ist fast wie ein kleiner Zeitreisender, der uns einen Blick in ihre kreative Welt gewährt. Und in Worpswede, wo sie schließlich starb, ist der Barkenhoff zu einem Zentrum für Kunst geworden. Dort befindet sich das Heinrich-Vogeler-Museum, das die Geschichte der Künstlerkolonie erzählt. Wer hätte gedacht, dass dieser Ort, der so viel Geschichte und Kreativität atmet, einmal ein Armenhaus war? Das ehemalige Armenhaus, wo sie ihre Modelle für Porträts fand, ist nun eine kommunale Galerie und zeigt, wie sehr sich alles wandeln kann.
Ein Jubiläum voller Inspiration
Im Jahr 2026 feiern wir nicht nur ihren Geburtstag, sondern auch eine beeindruckende Jubiläumsausstellung mit dem Titel „Impuls Paula“. Diese wird vom 7. Februar bis zum 1. November 2026 im Worpsweder Museumsverbund zu sehen sein. Es ist spannend, dass neben Modersohn-Becker auch viele Künstler*innen, die sich von ihr inspirieren ließen, in den Fokus rücken werden. Ein wunderbarer Anlass, um zu sehen, wie weit ihr Einfluss reicht!
Die vier Worpsweder Museen haben dabei unterschiedliche Themen gewählt: Im Barkenhoff wird die Entwicklung von Porträts über mehr als ein Jahrhundert thematisiert – mit einem besonderen Augenmerk auf psychologische Tiefe und den Wandel des Menschenbildes. Die Große Kunstschau widmet sich der Darstellung von Frauen aus ärmlichen Verhältnissen, während das Haus im Schluh mit Arbeiten von 15 Künstlerinnen im Bereich Textildesign aufwartet, was einen spannenden Bezug zu Modersohn-Beckers eigenem Ausflug ins Textildesign um 1900 herstellt. Und last but not least: Die Worpsweder Kunsthalle präsentiert eine Einzelausstellung der Künstlerin Inès Longevial, die Parallelen zu Modersohn-Beckers Werk sieht. So viele Facetten der Kunst!
Ein Erbe, das bleibt
Die letzten Worte von Paula Modersohn-Becker sollen „Wie schade“ gewesen sein. Ein Satz, der viel Raum für Interpretationen lässt. Vielleicht war es der Kummer über das, was sie nicht mehr schaffen konnte. Auf ihrem Grab, im Künstlerdorf Worpswede, steht eine Skulptur des Bildhauers Bernhard Hoetger. Ein würdiges Denkmal für eine Künstlerin, die viel zu früh von uns ging. Und in den Wallanlagen hinter der Kunsthalle Bremen gibt es eine Gedenkbüste von ihr – eine ständige Erinnerung an ihr Erbe.
Und während ich an die Palette denke, auf der sie die Farben für ihr letztes Bild mischte, die heute in der Tourist-Information zu finden ist, wird mir klar, wie stark ihre Präsenz noch immer spürbar ist. Ein kreativer Geist, der selbst heute noch inspiriert und anregt. 2026 wird ein Jahr voller Sonderpräsentationen, Führungen, Lesungen, Musik- und Familienveranstaltungen sein. Und wer weiß, vielleicht wird der Künstlerinnenverband GEDOK, der 2026 sein 100-jähriges Bestehen feiert, auch noch ein paar Überraschungen bereithalten.
So wird der 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein aufregendes Tor in die Zukunft der Kunst.