In der Neuen Vahr in Bremen wird aktuell eine spannende Debatte über die Zukunft der Sprachmittlerdienste geführt. Das Bildungsressort hat im Herbst 2022 beschlossen, die traditionellen Sprachmittler wie die Sprinter nicht mehr an den Schulen einzusetzen. Stattdessen sollen nun Übersetzungs-Apps, wie „Telli“ oder die automatischen Übersetzungen von Apple und DeepL, die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkräften erleichtern. Doch nicht jeder ist von dieser Entscheidung begeistert.

Schulleitungen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft äußern lautstark ihre Bedenken. Sie argumentieren, dass technische Lösungen einfach nicht die persönliche Note bieten können, die notwendig ist, um Vertrauen zu schaffen und kulturelle Unterschiede zu überbrücken. Wie soll man das Gefühl von Zugehörigkeit und Verständnis vermitteln, wenn man nur über ein Handy spricht? Außerdem zeigt sich, dass in vielen Grundschulen der Vahr bis zu 80 Prozent der Schüler nicht Deutsch als Erstsprache haben. Das macht die Herausforderung nur noch größer.

Die Rolle der Sprachmittler

Die Sprachmittler, vor allem die Sprinter des Vereins Bras, haben traditionell eine Schlüsselrolle eingenommen. Sie sind nicht nur Übersetzer, sondern auch Integrationshelfer, die Menschen mit unzureichenden Deutschkenntnissen unterstützen. Diese Sprinter sind meist arbeitslose Menschen mit Migrationshintergrund, die durch das Projekt gefördert werden. Es ist eine Win-Win-Situation, die nicht nur den Betroffenen hilft, sondern auch die Gesellschaft bereichert. Doch aufgrund von Kürzungen musste Bras die Anzahl der Sprinter drastisch von 120 auf 40 reduzieren. Das ist eine bittere Pille für alle Beteiligten.

André van Waegeningh, der Geschäftsführer von Bras, zeigt sich überrascht über die Anweisung des Bildungsressorts. Er sieht die Notwendigkeit, die Sprinter weiterhin in Schulen einzusetzen, auch wenn die Kosten nun aus den eigenen Budgets der Schulen gedeckt werden müssen. Es bleibt abzuwarten, wie viele Schulen bereit sind, diese finanzielle Last zu tragen. Im Gesundheitsbereich hingegen ist die Nachfrage nach den Sprintern nach wie vor hoch, und das Projekt erholt sich langsam, mit Plänen zur Ausweitung in den Bremer Osten und möglicherweise einem neuen Standort im Schweizer Viertel.

Technologie und persönliche Unterstützung

Die Entwicklung von Audio- und Videodolmetschdiensten, die auf zertifizierte Dolmetscher setzen, ist ein weiteres Beispiel für den technologischen Fortschritt. Doch auch hier bleibt der direkte Kontakt auf der Strecke. Die Gewerkschaft hebt hervor, dass eine App niemals die persönliche Unterstützung ersetzen kann, die viele Familien benötigen. In einer Zeit, in der zwischenmenschliche Bindungen so wichtig sind, könnte dies fatale Folgen für die Integration junger Menschen haben.

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Im Kontext dieser Herausforderungen ist es wichtig, die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Schulen, Eltern und der Gemeinschaft zu betonen. Die Kultusministerkonferenz hat mit verschiedenen Organisationen eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, die darauf abzielt, Bildungs- und Erziehungspartnerschaften zu fördern. Diese Initiative könnte ein Weg sein, um die Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu verbessern. Die Verknüpfung von technischer Unterstützung und persönlicher Betreuung könnte der Schlüssel zu einer besseren Integration sein.

Es ist klar, dass wir uns in einem Wandel befinden – ein Wandel, der sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Die Frage bleibt, wie wir als Gesellschaft darauf reagieren und ob wir die Unterstützung bieten können, die viele Familien so dringend benötigen. In der Vahr, wo die kulturelle Vielfalt blüht, ist es an der Zeit, die Weichen richtig zu stellen.