In Bremen, genauer gesagt im Stadtteil Grolland, erzählt die Geschichte einer Siedlung nicht nur von Architektur und Wohnraum, sondern auch von Ideologie und den Widersprüchen der Zeit. Die ersten Wohneinheiten dieser Großsiedlung wurden im Frühjahr 1936 bezugsfertig. Damals waren die NS-Stadtplaner am Werk, die alte Gartenstadt-Ideen neu interpretierten und ideologisch umgestalteten. Die Siedlung, die inmitten der damaligen Landgemeinde Huchting entstand, war ein Versuch, eine „Stadtlandschaft“ zu schaffen, in der die Siedler ihre Wurzeln neu entdecken und Selbstversorgung praktizieren sollten. Irgendwie klang das nach einem utopischen Traum, der aber mit strengen Bedingungen verknüpft war.

Familien wie die Sorger, die 1938 in den Südteil der Siedlung einzogen, mussten nicht nur politische Zuverlässigkeit, sondern auch rassische Kriterien nachweisen, um ein Haus zu erhalten. Der Bau wurde von der Brebischen Bau- und Siedlungsgesellschaft mbH übernommen, und der Straßenname „Wurster Straße“ spiegelt die norddeutsche Landschaft wider. Merkwürdig, oder? Gauleiter Carl Röver war nicht begeistert von der Größe der Siedlerhäuschen, was die sozialen Unterschiede zwischen Nord- und Südteil der Siedlung verdeutlicht.

Die Gartenstadt-Idee und ihre Wurzeln

Die Gartenstadt-Idee selbst hat ihre Wurzeln in England und wurde 1898 von Ebenezer Howard entworfen. Er entgegnete damit den schlechten Wohnverhältnissen und den hohen Grundstückspreisen in den Großstädten. Howard forderte ringförmige Wohnstädte, die durch Straßen und Schienen gut vernetzt sind. Die Idee war, die Vorteile der Stadt mit der Frische des Landlebens zu kombinieren. Ein gewagter Plan, der tatsächlich in die Tat umgesetzt wurde, aber nicht ohne Komplikationen blieb, wie wir in Grolland sehen können.

Die Siedlung Grolland gilt als Vorläufer der Gartenstadt Vahr, die als erste Bremer Großsiedlung gilt. Die ursprünglichen Pläne für Grolland reichen sogar bis vor den Ersten Weltkrieg zurück, und der NS-Senat nutzte diese alten Pläne zur Umsetzung. In der Bauzeit von 1935 bis 1940 wurde viel geschwitzt – und das nicht nur beim Bau, sondern auch im Alltag der Bewohner. Der Bombenkrieg brachte Zerstörung: 46 Häuser wurden beschädigt oder gar zerstört. Auch das Heim der Familie Sorger blieb davon nicht verschont.

Ein Aufbruch nach dem Krieg

Nach dem Krieg war es für die Sorger eine Herausforderung, ihr Haus mit bescheidenen Mitteln wieder aufzubauen. So wurde das eigene Zuhause zum Symbol für den Neuanfang, während der Vater später als Beamter in der Feuerwehrzentrale arbeitete. Gartenarbeit zur Selbstversorgung und die Haltung von Kleintieren waren für die Familie nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Art, das Leben neu zu gestalten. 1969, nach vielen Jahren des Aufbaus und der kleinen Erfolge, verkauften sie ihr Haus – ein Schritt, der mit Berechtigungsscheinen und Preisfestsetzungen alles andere als einfach war. Man fragt sich, wie viel von der ursprünglichen Gartenstadtidee in diesem Prozess erhalten blieb.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Gartenstadtbewegung selbst, die in Deutschland 1902 mit der Gründung der Deutschen Gartenstadtgesellschaft ihren Anfang nahm, verlor durch die Ideologisierung der Nationalsozialisten viel von ihrem ursprünglichen Geist. Die Bewegung wollte gesunde Wohnverhältnisse und genossenschaftliches Eigentum fördern. Doch die NS-Politik führte oft zu Einfamilien- oder Reihenhaussiedlungen ohne das revolutionäre Potenzial, das ursprünglich angestrebt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Einfamilienhaus als Wohnideal übrig, während die Idee der Gartenstadt an Einfluss verlor. Dennoch gibt es immer noch einen gewissen Charme, der in diesen alten Siedlungen schwingt – eine Art nostalgische Erinnerung an die Träume vergangener Zeiten.

Grolland ist mehr als nur eine Siedlung, sie ist ein Stück Geschichte, das uns lehrt, wie eng Architektur, Gesellschaft und Ideologie miteinander verwoben sind. Die Spuren der Vergangenheit sind auch heute noch zu spüren, und vielleicht ist es das, was Grolland so besonders macht.