Heute ist der 25.05.2026, und die Stadt Wildeshausen im Landkreis Oldenburg pulsiert vor Leben. Das 623. Gildefest der Wildeshauser Schützengilde steht vor der Tür, und die Vorfreude ist förmlich greifbar. Doch hinter der festlichen Fassade brodelt es gewaltig. Während die Jungen zwischen 10 und 14 Jahren sich auf das Kinderschützenfest vorbereiten, regt sich Widerstand. Die Teilnahme ist nämlich ausschließlich den Jungs vorbehalten. Mädchen dürfen sich in diesem Rahmen nur als „Ehrendamen“ einfinden. Das kann nicht sein, finden viele, und so wird die Initiative „Gilde für alle“ ins Leben gerufen.

Mit einem Wurfwettbewerb, der sowohl Mädchen als auch Jungen offensteht, will die Initiative ein Zeichen setzen. Geplant für den Pfingstmontag um 14 Uhr, soll die Veranstaltung in der Innenstadt stattfinden, und die erste Kinderkönigin gekrönt werden. Das klingt doch nach einer aufregenden Mitmach-Aktion! Die Idee ist, die Kinder in die Aktivitäten einzubeziehen, und den Wunsch nach Gleichberechtigung zu zelebrieren. Und das alles, während die Schützengilde mit ihren eigenen Festivitäten im Gange ist. Ein Umzug durch die Innenstadt ist ebenfalls vorgesehen – nach der Mitmach-Aktion, versteht sich. Ein fröhliches Miteinander, könnte man denken, aber die Gildeobersten sehen die Sache etwas anders.

Ein Aufeinandertreffen der Traditionen

Friedrich Ahlers, der Gildeoberst, ist verärgert über die Pläne der Initiative. Er sieht darin eine Störung der festlichen Abläufe der Schützengilde. Die Abstimmung im vergangenen Jahr, bei der entschieden wurde, dass beim Kinderschützenfest nur Jungen mitmachen dürfen, war nicht gerade ein Akt der großen Demokratie. Nur männliche Mitglieder waren zur Abstimmung zugelassen – und das hat die Wogen hochgehen lassen. Die Initiative kritisiert dies scharf und fordert ein Umdenken. Denn wie kann es sein, dass nur Männer darüber entscheiden, wer beim Schießen teilnehmen darf?

Die Gilde selbst, die seit 600 Jahren besteht, hat in dieser Frage einen schweren Stand. Rund 800 Vereine sind im Dachverband organisiert, und die meisten schließen Frauen nicht aus. Dennoch hat die Generalversammlung der Gilde mit 292 gegen 170 Stimmen einen Antrag auf Teilnahme von Mädchen abgelehnt. Der Vizepräsident des Nordwestdeutschen Schützenbundes äußert Unverständnis über diese Geschlechterdiskriminierung und fordert eine Veränderung. Es ist ein Dilemma, das die Traditionen der Gilde und den Wunsch nach Gleichberechtigung in einen direkten Konflikt bringt.

Ein Zeichen für Gleichheit

Die Demonstration „Gilde für alle“ zielt darauf ab, die gleichberechtigte Teilnahme aller Kinder am Königsschießen einzufordern. Die Initiative respektiert dabei die Entscheidung der Gilde, kein Kinderköniginnen-Schießen zu veranstalten, sieht aber dennoch Handlungsbedarf. Es ist eine Frage des Respekts und der Chancengleichheit. Rund 300 Menschen haben sich am Freitag in Wildeshausen versammelt, um ihre Stimme zu erheben. Die Emotionen kochen hoch, und der Wunsch nach Veränderung ist deutlich spürbar.

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Die Parallelveranstaltung wird von der Schützengilde als unproblematisch angesehen, aber viele, vor allem die Unterstützer der Initiative, empfinden das als unzureichend. Sie wollen nicht für einen Verein auftreten, der Gleichberechtigung nicht ernst nimmt. Der Druck steigt, und die Frage, wie es mit der Gilde weitergeht, bleibt offen. Die Kinder und Jugendlichen in Wildeshausen haben die Chance, in eine neue Ära einzutreten, in der jede Stimme zählt.