In der Bremer Neustadt, genauer gesagt in der Kornstraße 155, gibt es ein Gebäude, das zur Zeit mehr Fragen aufwirft als Antworten zu bieten. Der Eigentümer hat mehr als sechs Monate Zeit bekommen, um das Haus zu sanieren oder zu verkaufen. Es steht seit Jahren leer, und die Initiative „Korner gestalten“ kämpft um die Übernahme. Sie möchten das Haus gemeinschaftlich nutzen und haben bereits konkrete Pläne: selbstverwalteter, günstiger Wohnraum für 12 bis 16 Menschen, ein Nachbarschaftscafé, eine Selbsthilfewerkstatt und Veranstaltungsräume. Klingt doch nach einem tollen Konzept, oder?

Im Oktober 2025 besetzten Aktivistinnen das leerstehende Haus und hängten ein Transparent mit der Aufschrift „Leerstand gestalten“ auf. Diese zwei Wochen waren geprägt von einem bunten Programm: Essen, Tango- und Selbstverteidigungskurse – eine lebendige Gemeinschaft, die da entstand! Nach der Räumung konnte der Eigentümer jedoch nicht schnell genug handeln. Er zeigte die Besetzerinnen an und plant nun, das Haus an einen Dritten zu verkaufen. Aber an die Initiative? Nein, das will er nicht. Ein erster Notartermin für den Verkauf ist bereits für den 13. Mai anberaumt.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

Das Bremische Wohnraumschutzgesetz, das seit dem 22. Oktober 2021 in Kraft ist, hat das Ziel, die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum zu sichern. Leerstand von mehr als sechs Monaten ohne erkennbaren Grund ist nicht nur ärgerlich, sondern auch rechtlich problematisch. Die Stadt sieht das als Zweckentfremdung an, was Bußgelder von bis zu 100.000 Euro nach sich ziehen kann. Ein wenig abschreckend, oder? Bisher wurden zwar Bußgelder angedroht, aber noch nicht verhängt. Das Gesetz soll verhindern, dass Wohnungen einfach leerstehen oder gar als Ferienwohnungen genutzt werden.

Die Initiative „Korner gestalten“ hat sich mehrfach bemüht, den Eigentümer durch Briefe und Gespräche zu überzeugen, das Gebäude wieder zu aktivieren. Doch der Eigentümer bleibt stur. Er hat über seinen Geschäftsführer mitteilen lassen, dass er nicht mit der Initiative verhandeln möchte. Stattdessen plant er, das Gebäude an einen Dritten zu verkaufen, ohne Details zum Kaufpreis oder potenziellen Käufern zu nennen. Das schürt natürlich die Gemüter.

Ein Blick auf die Leerstände in Bremen

Die Zahlen sind alarmierend: 2022 standen in Bremen 13.650 Wohnungen leer, 4.825 davon seit über einem Jahr. Ein echtes Problem, das die Stadt angeht. Die Baubehörde hat erklärt, dass Leerstand nachvollziehbare Gründe haben kann. Aber wo ist die Grenze zwischen berechtigtem Leerstand und spekulativem? Die Initiative hat das Problem erkannt und plant ein Straßenfest am 10. Mai, um auf ihre Ziele hinzuweisen und die Nachbarschaft zu mobilisieren. Bezahlen sollen die Menschen nicht für die Luft, die sie atmen!

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Bürger haben die Möglichkeit, Leerstände beim Ortsamt oder direkt beim Bauressort zu melden. Das klingt einfach, doch es gibt viele Hürden. Der Wohnraumschutz ist ein Thema, das viele Menschen beschäftigt, besonders in einer Stadt, in der der Wohnraum knapp wird. Auf der einen Seite die Eigentümer, die ihre Immobilien nicht verkaufen oder vermieten wollen, auf der anderen Seite die Suchenden, die nach einem Zuhause suchen. Ein ständiger Konflikt, der auf der Kippe steht.

In dieser angespannten Lage wird deutlich, dass jede Initiative, die sich für bezahlbaren Wohnraum einsetzt, einen wichtigen Beitrag leistet. „Korner gestalten“ ist da keine Ausnahme. Während der Eigentümer also seine Pläne schmiedet, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Bremer Neustadt hat jedenfalls noch eine Geschichte zu erzählen.