Heute ist der 25.05.2026 und wir befinden uns mitten in Gröpelingen, wo die Luft vor Hitze und Anspannung knistert. Ein Thema, das in den letzten Monaten viele Gemüter beschäftigt, ist die steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Einsatzkräften. Psychologe Thorsten Fehr, der an der Uni Bremen zu Gewalt und Konflikten forscht, hat die besorgniserregenden Entwicklungen im Blick. Er beobachtet, dass die Frustrationsschwelle in der Gesellschaft sinkt und es immer häufiger zu Übergriffen auf Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter kommt – auch hier in Bremen. Die Situationen, die für diese Einsatzkräfte oft bereits stressig genug sind, werden durch verbale und körperliche Aggressionen noch erschwert.

Fehr erklärt, dass die schnelllebige, mediale Gesellschaft einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Verhalten der Menschen hat. Stressige Situationen, wie etwa ein Verkehrsunfall, können zu einer Eskalation führen, wenn die Sozialkompetenz fehlt. Dabei spielt die individuelle Lerngeschichte eine entscheidende Rolle: Menschen, die in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem Gewalt eine Rolle spielt, neigen eher dazu, in Konfliktsituationen aggressiv zu reagieren. Langfristige Folgen dieser Übergriffe sind nicht zu unterschätzen; psychische Belastungen im Berufsalltag können sich in Form von Stress oder gar posttraumatischen Belastungsstörungen äußern.

Das Deeskalationstraining

Ein Lichtblick in all dem Dunkel ist das Deeskalationstraining, das nicht nur für Einsatzkräfte, sondern für alle hilfreich sein kann. Es gibt einige Grundregeln, die man beachten sollte, um kritische Situationen besser zu meistern. Punkt eins: „Wehret den Anfängen!“ – das heißt, frühzeitig deeskalierend eingreifen, bevor die Lage eskaliert. Auch die eigene Sicherheit hat oberste Priorität. Mitarbeitende sollten in der Lage sein, kritische Situationen richtig einzuschätzen und gegebenenfalls das Notwendige zu tun, um sich selbst zu schützen.

Das Entfernen von Schaulustigen kann ebenfalls entscheidend sein. Oft verstärken sie die Dynamik einer angespannten Situation. Wenn die Sicherheitsabstände eingehalten werden und gefährliche Utensilien aus der Nähe entfernt werden, kann man eine gewisse Kontrolle zurückgewinnen. Zudem ist es wichtig, dass nur eine Person verbal interveniert, um Verwirrung zu vermeiden. Körpersprache spielt eine wesentliche Rolle – bedrohliche Gesten oder hektische Bewegungen sollten unbedingt vermieden werden, um nicht zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen.

Die Realität der Einsatzkräfte

Die Realität für Einsatzkräfte sieht oft ganz anders aus. Berichte über Beschimpfungen, Drohungen und körperliche Übergriffe wie Schläge oder Wegschubsen häufen sich. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum aus dem Jahr 2011 hat bereits gezeigt, dass über 50% der Befragten sich unvorbereitet auf Konfliktsituationen fühlten. Körperliche Übergriffe führen nicht nur zu sichtbaren Verletzungen wie Prellungen oder Schürfwunden, sondern auch zu schwerwiegenden psychischen Folgen. Besonders Berufsanfänger und weniger erfahrene Mitarbeiter sind anfällig für posttraumatische Belastungsstörungen.

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Die Notwendigkeit, Gewalt im Rettungsdienst zu enttabuisieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen, wird immer dringlicher. Arbeitgeber sind gefordert, ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen und geeignete Sicherheits- und Schutzmaßnahmen zu implementieren. Dazu zählen unter anderem Deeskalationsschulungen und die Verbesserung der Kommunikation mit der Leitstelle. Außerdem sollten alle Vorfälle dokumentiert und ausgewertet werden, um aus diesen Erfahrungen zu lernen.

Es ist wichtig, dass nach Übergriffen Unterstützung angeboten wird. Gespräche zur Aufarbeitung und der Austausch mit Vorgesetzten können helfen, den emotionalen Ballast etwas zu lindern. Die Meldung traumatisierender Ereignisse als Arbeitsunfall ist eine Möglichkeit, um spezifische Verfahren zur psychotherapeutischen Hilfe in Anspruch zu nehmen. So wird deutlich, dass sowohl präventive als auch nachsorgende Maßnahmen von großer Bedeutung sind, um die Einsatzkräfte in Bremen und überall sonst zu schützen.