Heute ist der 27.05.2026 und in Bremen, genauer gesagt im Steintor, dreht sich alles um einen besonders brisanten Prozess. Daniela Klette, die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin, steht im Fokus der Öffentlichkeit, während sie sich vor Gericht verantworten muss. Die 67-Jährige wird nicht nur wegen ihrer Beteiligung an 13 Raubüberfällen angeklagt, sondern auch wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes. Dabei soll sie zwischen 2009 und 2016 insgesamt 2,7 Millionen Euro erbeutet haben. Das wirft Fragen auf – Fragen, die tief in die düstere Vergangenheit der Roten Armee Fraktion eintauchen.
Die Staatsanwaltschaft fordert für Klette eine Haftstrafe von 15 Jahren, während ihre Verteidigung auf Bewährung plädiert. Ein entscheidender Punkt im Prozess ist das, was in der Wohnung geschah, die Klette von 2012 bis 2016 in Bremen unter dem Namen Sarah Lopez nutzte. Laut der Staatsanwaltschaft diente diese Wohnung zur Auskundschaftung von Tatorten. Doch Klette selbst und ihre Anwälte argumentieren, dass die gefundenen Beweismittel, wie Waffen- und Gelddepots, kein klarer Beweis für ihre direkte Beteiligung sind. Ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem das Gericht möglicherweise über Raubüberfälle und Waffenbesitz urteilen könnte.
Ein Netzwerk der Finsternis
Klette wird nicht nur für die Raubüberfälle verantwortlich gemacht. Die Bundesanwaltschaft erhebt auch Anklage wegen 20-fachen versuchten Mordes. Dies ist nicht ohne Grund: Sie wird beschuldigt, an einem Angriff auf die US-Botschaft in Bonn im Jahr 1991 beteiligt gewesen zu sein. Hinzu kommen Vorwürfe wie erpresserischer Menschenraub und ein Sprengstoffanschlag auf die JVA Weiterstadt im Jahr 1993. Die Liste der Gräueltaten, die Klette angelastet werden, ist lang – und sie ist nicht allein. Ihre mutmaßlichen Komplizen, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg, sind nach wie vor auf der Flucht, während Klette im Februar 2024 in Berlin festgenommen wurde.
Wenn man sich die Verstrickungen der RAF (Rote Armee Fraktion) vor Augen führt, wird schnell klar, dass Klette Teil eines größeren, gefährlichen Netzwerks war. Die RAF, die von 1970 bis zur Selbstauflösung im Jahr 1998 aktiv war, wird für den Tod von 34 Menschen und mehr als 200 Verletzten verantwortlich gemacht. Ursprünglich als Baader-Meinhof-Gruppe bekannt, radikalisierten sich ihre Mitglieder, nachdem sie auf den Tod des Studenten Benno Ohnesorg reagierten. Klette wird der dritten Generation dieser Gruppe zugeschrieben, die in den 1990er Jahren aktiv war.
Ein Schatten der Vergangenheit
Die Ermittler fanden DNA-Spuren von Klette an mehreren Tatorten, was die Sache komplizierter macht. Die Verteidigung hingegen behauptet, dass die Nachermittlungen in Bezug auf die DNA größtenteils erfolglos waren. Komischerweise beruft sich die Bundesanwaltschaft auf die Aussagen eines einzelnen Zeugen, dessen Glaubwürdigkeit in der Vergangenheit angezweifelt wurde. Wie viel Wahrheit steckt also in den Vorwürfen? Klette selbst bleibt in Untersuchungshaft und sieht sich einer Reihe von Anklagen gegenüber, die bis in die 1990er Jahre zurückreichen. Die Frage bleibt: Wie viele Geheimnisse birgt die Vergangenheit dieser Frau?
Im Hintergrund ist der Prozess um Klette nicht nur ein Fall von Verbrechen und Strafe, sondern auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte. Die RAF hat tiefe Wunden hinterlassen, und die Aufarbeitung ihrer Taten ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Reithalle in Verden, die für den Prozess genutzt wurde, steht mittlerweile leer, während die niedersächsische Justiz satte 3,6 Millionen Euro an Steuergeldern für die Nutzung gezahlt hat. Doch wer wird am Ende die Rechnung für die dunklen Kapitel der RAF begleichen?
