Vegesack im Supermarkt-Dilemma: Hoffnung auf Nahversorgung schwindet
Es ist der 15. Juni 2026 und die Stimmung in Bremen-Vegesack ist gespalten. Die Baudeputation hat das Planverfahren für einen Supermarkt an der Lindenstraße eingestellt – und das einstimmig. Zehn Jahre lang war dieses Vorhaben ein ständiges Thema, doch nun scheint die Hoffnung auf einen neuen Markt in Fähr-Lobbendorf, die seit 2009 schwelte, erstmal verblasst zu sein.
Die ELB Grundstücksverwaltungsgesellschaft, die das 5.300 Quadratmeter große Grundstück im Jahr 2009 erworben hat, wollte einen Supermarkt mit 1.460 Quadratmetern errichten. Doch die Baubehörde war skeptisch und akzeptierte nur maximal 1.400 Quadratmeter. Der Streit ging um die Marktgröße und um einen Betreiber, den die ELB bis heute nicht binden konnte. Die Bedenken, dass ein Vollversorger das Vegesacker Zentrum negativ beeinflussen könnte, trugen zur Einstellung der Planungen bei. Ein Stillstand, der nun schon über ein Jahrzehnt andauert.
Die Nahversorgungslücke
Obwohl die Planungen für den Supermarkt vorerst auf Eis gelegt sind, gibt es dennoch eine Versorgungslücke im Ortsteil Fähr-Lobbendorf. Das Zentrenkonzept von Bremen hat festgestellt, dass es an Nahversorgungsangeboten mangelt. Die nächsten Supermärkte sind ein Stück weit entfernt, an der Weserstrandstraße, Lüssumer Straße und Hammersbecker/Meinert-Löffler-Straße. Die Baudeputation könnte sich dem Thema erneut widmen, falls ein neuer Antrag auf den Tisch kommt.
Inmitten dieser Unsicherheiten steht der „Maribondo“-Supermarkt, der seit etwa 15 Jahren eine inklusive Arbeitsumgebung für Menschen mit Behinderung bietet. Doch auch hier sind die Zeiten turbulent. Aufgrund einer besorgniserregenden Zunahme von Überfällen und Diebstählen plant der Supermarkt, Ende März zu schließen. Die Angst der Mitarbeiter, darunter sechs Personen mit Behinderungen, vor Übergriffen hat das Team dazu veranlasst, um Versetzung zu bitten. Erwin Bienewald, der Leiter der Stiftung, die den Markt führt, beschreibt die Situation als zunehmend prekär.
Ein Supermarkt schließt seine Türen
Die Schließung des „Maribondo“-Supermarkts würde für viele Anwohner bedeuten, dass der Weg zu einem anderen Markt zu weit wird. Stammkunden, die oft nur kleine Artikel kaufen, sehen sich damit konfrontiert, dass Diebe in der letzten Zeit die besten „Kunden“ geworden sind. Diebstähle haben die Finanzlage des Marktes stark belastet, und eine Reduzierung der Öffnungszeiten auf bis 13 Uhr könnte die Situation noch verschärfen. Der Supermarkt steht vor einer schweren Entscheidung, die auch eine finanzielle Ersparnis mit sich bringen könnte, aber die Unterstützung der lokalen Gemeinschaft auf die Probe stellt.
Die Entwicklung in Vegesack zeigt, wie wichtig eine solide Nahversorgung ist – nicht nur für die lokalen Geschäfte, sondern auch für die Menschen, die dort leben. Die Unsicherheiten, die sowohl bei den Planungen für einen neuen Supermarkt als auch bei der Schließung des „Maribondo“-Marktes herrschen, werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, mit denen die Gemeinschaft konfrontiert ist. Bleibt zu hoffen, dass es in naher Zukunft neue Lösungen für die Nahversorgung in Bremen-Vegesack gibt.
