Abschied von einem Riesen: Borgfelds letzte Rotbuche muss weichen
In Borgfeld, wo die Natur und das Landleben Hand in Hand gehen, steht ein trauriges Kapitel bevor. Eine majestätische Rotbuche, die fast 150 Jahre alt ist, muss gefällt werden. Die zweite Rotbuche nahe der Borgfelder Flutbrücke, die einst ein wunderschönes Spalier für die Verkehrsteilnehmer aus Lilienthal nach Borgfeld bildete, ist abgestorben. Ab Oktober wird die Fällung in der kommenden Saison zwischen Oktober und Februar vollzogen – ein genaues Datum steht noch nicht fest.
Der Grund für das Absterben? Ein heimtückischer Befall mit dem Riesenporling, einem Holz zerstörenden Pilz, der die Wurzeln angreift und die Wasser- und Nährstoffaufnahme unterbricht. „Eine Rettung des Baums ist nicht möglich“, erklärt Hilka Baumann, Sprecherin des Umweltbetriebes Bremen. Das ist schon ein herber Schlag für die Natur, denn der Baum hat nicht nur einen beeindruckenden Umfang von mehr als einem Meter, sondern bietet auch zahlreichen Insekten und Vögeln ein Zuhause.
Ein Stück Geschichte geht verloren
Die Rotbuche war nicht nur ein Baum, sie war Teil der Geschichte und des Mikrokosmos von Borgfeld. Ihr majestätisches Wuchsbild beeinflusste das Mikroklima durch Verdunstungskühlung und Beschattung. Und jetzt? Nach der Fällung der ersten Rotbuche im Jahr 2020, bedingt durch Bauarbeiten, bleibt die zweite Buche als trauriges Relikt der Vergangenheit zurück. Der Umweltbetrieb plant zwar eine Nachpflanzung vor Ort, doch Details zum Ersatzbaum sind noch in der Schwebe.
Vor der Fällung des Schwesternbaumes gab es Proteste, die die Anwohner mobilisierten. Es war ein Aufschrei, der zeigt, wie sehr diese Bäume geschätzt werden. Eine Arbeitsgemeinschaft hatte sogar Ideen, an der Stelle des gefällten Baums eine Skulptur aufzustellen. Doch Sponsoren blieben aus, und so blieb nur die Erinnerung. Der Künstler Jürgen Klaes hat aus einem Teil des Baumstamms eine Sitzgelegenheit gefertigt und die Stelle mit Infomaterial und einem Gedicht versehen – ein kleiner Lichtblick inmitten des Verlustes.
Nachhaltigkeit und die Zukunft der Bäume in Bremen
Übrigens, für all jene, die sich für Baumfällungen oder Nachpflanzungen interessieren, gibt es auf der Webseite des Umweltbetriebes Bremen eine praktische Übersicht. Dort kann man gezielt Informationen zu Baumfällungen in bestimmten Straßen suchen – einfach den Straßennamen eingeben und schon erhält man die gewünschten Details. Es ist beeindruckend, wie viele Bäume in Bremen gefällte und gepflanzt werden. Eine Gesamtübersicht nach Stadtteilen zeigt die Gründe für die Fällungen auf, und auch die Nachpflanzungen erfolgen in der Regel in der nächsten Pflanzsaison.
Man könnte fast sagen, dass die Natur in Bremen lebendig bleibt, auch wenn alte Riesen fallen. Alte Bäume binden CO₂, filtern Feinstaub aus der Luft und tragen so zu einem gesunden Mikroklima bei. Es bleibt zu hoffen, dass die Nachpflanzung nicht nur den Verlust ausgleicht, sondern auch einen neuen Anfang markiert.
