Zukunft in der Krise: Borgfelds Freizi am Scheideweg
Heute ist der 14.07.2026 und in Borgfeld brodelt es. Ein Blick auf die aktuelle Situation des Jugendfreizeitheims Freizi lässt einen nicht kalt. Der Träger, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), bleibt zuversichtlich, doch die Unsicherheit über die Zukunft der Einrichtung schwebt wie ein dunkler Schatten über dem Stadtteil. Ab 2027 wird Borgfeld keinen städtischen Zuschuss mehr für die offene Jugendarbeit erhalten. Das bedeutet, dass Einrichtungen wie das Freizi und die Jugendfarm nur noch auf projektbezogene Mittel angewiesen sind, was die Sache komplizierter macht.
Die Zahlen sprechen für sich: In Borgfeld leben 1.763 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 21 Jahren. Das klingt viel, aber im Vergleich zu anderen Stadtteilen ist das die niedrigste Zahl im Sozialbereich 5, zu dem auch Oberneuland, Vahr, Schwachhausen und Horn-Lehe gehören. Hier zeigt sich das Dilemma: Während die Stadtteile Horn-Lehe und Oberneuland zusätzliche Gelder für die Jugend erhalten, muss Borgfeld um jeden Cent kämpfen. Ein Beiratsmitglied der SPD, Bernd Stenner, äußert seine Frustration über die nachteiligen Fördervorschläge und sieht die Gefahr, dass weniger Kinder und Jugendliche das Angebot nutzen, wenn das Freizi nur für spezielle Projekte geöffnet wird.
Ein kritischer Blick auf die Zukunft
Der Beirat von Borgfeld ist sich einig: Der Wegfall der institutionellen Förderung wird die Angebote für die Jugendlichen massiv reduzieren. Das Freizi öffnet derzeit an drei Tagen pro Woche für jeweils vier Stunden – und das ist schon nicht mehr finanzierbar. Zudem wird die Nutzung des Freizis in Horn für die Jugendlichen aus Timmersloh als unzumutbar angesehen. Und genau hier wird’s spannend: Der Beirat befürchtet, dass die neuen Qualitätsstandards der Stadt für Jugendeinrichtungen nicht nur problematisch sind, sondern auch nicht den tatsächlichen Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht werden.
Die letzte Planungsrunde brachte keinen Fortschritt. Ein Vorschlag zur Etablierung von Borgfeld als Zweigstelle des Freizi Horn wurde abgelehnt. Die Ungewissheit über die Verteilung der Gelder und die Zukunft des Freizeitheims bleibt bestehen. Das DRK äußert sich bislang nicht zur Zukunft des Freizi und erklärt, es sei zu früh, um darüber zu sprechen. Doch die Sorgen der Beiratsmitglieder sind berechtigt. Der Beirat hat bereits vor Monaten einen einstimmigen Beschluss gefasst, der die Finanzierung über Projektmittel als unzureichend kritisiert. Und das ist nicht einfach nur Geschwätz – die Realität sieht anders aus.
Die Zahlenspiele
Die Kinder- und Jugendfarm Borgfeld hatte im Jahr 2024 über 3.000 Kinder bei 212 Veranstaltungen. Eine beachtliche Zahl, die zeigt, wie wichtig solche Angebote für die Gemeinschaft sind. Das Freizi hingegen besucht bis zu 30 Kinder pro Öffnungstag, wobei die Zahl stark schwankt. Wenn das Freizi tatsächlich nur noch projektbezogene Mittel beantragen kann, befürchten viele, dass das Angebot nicht mehr die breite Masse erreichen wird.
Die Stadt Bremen sollte sich überlegen, wie es weitergeht. Der Wegfall der Miete für das Freizi könnte der Stadt sogar zusätzliche Kosten verursachen. Das Gebäude gehört der Stadt und ist zweckgebunden, was es umso dringlicher macht, Lösungen zu finden. Eine Zukunft ohne die offenen Kinder- und Jugendarbeitsangebote in Borgfeld wäre ein herber Verlust für die Gemeinschaft. Die Behörden arbeiten an Vorschlägen für den Jugendhilfeausschuss, aber die Fragen bleiben: Wie viel wird Borgfeld letztlich erhalten? Und was passiert mit den Jugendlichen, wenn die Angebote weiter eingeschränkt werden? Die Zeit drängt.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt und ob der Beirat mit seinen Bedenken Gehör findet. Die nächsten Wochen könnten entscheidend sein. Die Hoffnung auf eine positive Wende bleibt, auch wenn die Zeichen derzeit eher auf Sturm stehen.
