In Bremen, genauer gesagt in Gröpelingen, hat sich die Situation in den örtlichen Kliniken merklich zugespitzt. Das Klinikpersonal, insbesondere in der Notaufnahme, sieht sich zunehmend gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Chefarzt Frank Wösten vom Klinikum Bremen-Nord hat eindringlich darauf hingewiesen, dass die Gewaltbereitschaft von Patienten und deren Angehörigen erheblich zugenommen hat. „Es ist erschreckend zu sehen, wie die Respektlosigkeit gegenüber dem medizinischen Personal steigt“, so Wösten.

Warten kann im Krankenhaus oft eine Geduldsprobe sein – und genau das wird zur Gefahr. Besonders sorgenvoll betrachtet Wösten die aggressiven Reaktionen von Angehörigen, die mit langen Wartezeiten nicht klarkommen. Und das hat nicht nur Auswirkungen auf die Sicherheit des Personals, sondern auch auf die Patientenversorgung selbst. Ressourcen, die für die Behandlung anderer Patienten gebraucht werden, werden durch eskalierte Situationen in der Notaufnahme gebunden. Wie kann das sein? Die Realität in den Kliniken ist oft weit entfernt von der Vorstellung, die man sich vielleicht macht.

Ein besorgniserregender Trend

In einer Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) geben 73 % der Kliniken an, dass sie in den letzten fünf Jahren einen Anstieg gewalttätiger Übergriffe erlebt haben. Das ist nicht einfach ein paar schlechte Tage im Jahr, sondern ein Trend, der sich durch die gesamte Branche zieht. Alarmierend ist auch, dass die Dunkelziffer der Vorfälle als hoch eingeschätzt wird. Viele Übergriffe werden gar nicht gemeldet – was für ein Teufelskreis. Nur 13 % der betroffenen Kliniken berichten, dass die Mitarbeitenden psychisch unbeeinträchtigt blieben. Man kann sich nur vorstellen, wie das die Moral und das Arbeitsumfeld beeinflusst.

Das Klinikum Bremen-Nord hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit zu erhöhen. Dazu gehören technische Aufrüstungen, Zugangsbeschränkungen und eine Verstärkung des Sicherheitsdienstes. Zudem werden Mitarbeitende geschult, um gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen und deeskalierend zu handeln. Doch wie sinnvoll sind all diese Maßnahmen, wenn die Ursachen der Gewalt nicht angegangen werden? Die Hauptursachen sind vielfältig: Respektverlust, zustandsabhängige Übergriffe, krankheitsbedingtes Verhalten und die gefürchteten langen Wartezeiten.

Gesellschaftliche Debatte notwendig

Die Forderung nach härteren Strafen für Gewalttaten wird laut. 93 % der Kliniken setzen sich für eine Strafverschärfung ein – das ist eine klare Ansage! Prof. Dr. Henriette Neumeyer von der DKG hat wiederholt betont, dass es nicht nur um die Sicherheit im Krankenhaus geht, sondern auch um eine breitere gesellschaftliche Debatte. Es braucht politische Handlungen, um diese Problematik ernsthaft zu adressieren. Doch wo bleibt die öffentliche Diskussion? Irgendwie scheint das Thema nicht die Aufmerksamkeit zu bekommen, die es verdient.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ein Beispiel für innovative Ansätze in der Gewaltprävention sind die Initiativen von verschiedenen Kliniken. Die Asklepios Kliniken haben die Initiative #HaltzuGewalt ins Leben gerufen, die unter anderem eine Meldeseite und ein Hilfetelefon umfasst. Agaplesion geht mit einem Online-Hinweisgeber-System neue Wege. Und das Klinikum Dortmund denkt sogar über den Einsatz von Bodycams nach, um Übergriffe besser dokumentieren zu können. Solche Maßnahmen sind dringend nötig, aber sie müssen in ein größeres Konzept eingebettet werden.

Die Realität in den Notaufnahmen ist komplex, die Herausforderungen sind vielfältig und die Lösungen müssen ebenso vielschichtig sein. Es braucht ein Umdenken – nicht nur in den Kliniken, sondern auch in der Gesellschaft, um die Sicherheit des Personals und der Patienten zu gewährleisten. Da bleibt nur zu hoffen, dass bald ein Lichtblick am Ende des Tunnels zu sehen ist.