Das sanfte Auslaufen der Astoria: Ein Schiff mit bewegter Geschichte geht in den Ruhestand
Heute ist der 3.07.2026 und wir dürfen ein kleines Kapitel Schiffsgeschichte aufschlagen – oder besser gesagt, zuschlagen. In Gent, Belgien, wird das Kreuzfahrtschiff „Astoria“ nun dem Recyclingprozess übergeben. Eine letzte große Fahrt? Eher ein sanftes Auslaufen. Die Galloo Shipyard, eine der wenigen zertifizierten Abwrackwerften in Europa, hat sich der Aufgabe angenommen, dieses ikonische Stück maritimer Vergangenheit zu entsorgen. Mit einer Länge von 160 Metern und einer interessanten Geschichte ist die „Astoria“ nicht einfach nur ein Schiff, sondern ein Zeitzeuge.
Die Werft befindet sich am Gent-Terneuzen-Kanal und hat sich darauf spezialisiert, kleinere Schiffe wie Schlepper und Fischereifahrzeuge zu verwerten. Doch die „Astoria“ ist in ihrer Dimension und Historie etwas Besonderes. Ursprünglich als „Stockholm“ 1946 in Göteborg vom Stapel gelassen, war sie in ihrer Blütezeit ein Transatlantikliner auf dem Weg nach New York. 1956, im dichten Nebel, kollidierte sie mit dem italienischen Passagierdampfer „Andrea Doria“. Tragischerweise kostete dieser Vorfall 51 Menschen das Leben, doch die „Stockholm“ half bei der Rettung der Überlebenden und erhielt später einen neuen Bug. Ziemlich beeindruckend, oder?
Ein Schiff mit Geschichte
Von 1960 bis 1985 war die „Astoria“ als „Völkerfreundschaft“ das einzige Kreuzfahrtschiff der DDR. Während dieser Zeit transportierte sie über 200.000 DDR-Bürger und wurde zum schwimmenden Urlaubsprivileg. Die Reisen unterlagen strengen politischen Vorgaben; nur SED-treue Passagiere durften an Bord, und das Schiff nahm ausschließlich kommunistische Häfen an. Einige Reisende versuchten sogar, während der Kreuzfahrten in den Westen zu flüchten – spannend, oder?
Nach der Wende wechselte das Schiff mehrfach seinen Namen und Eigentümer. Zuletzt fuhr die „Astoria“, wie sie seit 2016 hieß, unter dem Charter von Cruise and Maritime Voyages. Ihre letzte Kreuzfahrt fand 2020 statt, kurz bevor die Covid-19-Pandemie die Welt in den Lockdown zwang. Danach lag das Schiff mehrere Jahre im Waalhaven in Rotterdam und wartete erfolglos auf einen neuen Besitzer. Schließlich wurde es 2025 für 200.000 Euro ersteigert und nach Gent gebracht – auf dem Weg zur Verschrottung, wo die Zerlegung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll.
Eine umweltbewusste Entsorgung
Die Galloo Shipyard rechnet mit etwa 12.000 Tonnen Material, das aus der „Astoria“ gewonnen wird, darunter 8.000 Tonnen Stahl und andere Metalle. Doch hier wird nicht einfach drauflos geschreddert – alles muss fachgerecht getrennt werden, unter Berücksichtigung von Umweltschutz und Arbeitsschutzauflagen. Immer wieder kommen Anfragen von ehemaligen Passagieren und Besatzungsmitgliedern, die Erinnerungsstücke möchten, aber der Geschäftsführer betont, dass sie kein Souvenirladen sind. Ein bisschen schade, oder?
Mit 78 Jahren ist die „Astoria“ älter als viele Schiffe, die in den letzten Jahren verschrottet wurden. Die Werft hat die oberen drei von sieben Decks bereits abgetragen, und die Zeit drängt – das Material muss bald in neue Projekte umgesetzt werden. Die „Astoria“ ist mit einer Bruttoraumzahl von 16.000 und einer Kapazität von bis zu 550 Passagieren ein Denkmal ihrer Zeit. Die letzten Erinnerungen an dieses Schiff werden in der Galloo Shipyard in Gent nun endgültig Platz für die nächsten Generationen schaffen. Wer weiß, was die Zukunft bringt?
