Von Public Viewing zu Open-Air-Kino: Wie die Bremer Balljungs ihren Traum neu beleben
Das WM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat für die Bremer „Balljungs“ vom Tennisverein Rot-Weiß Bremen gleich einen herben Dämpfer zur Folge gehabt. Finanziell ist es wie ein Schlag ins Gesicht, denn die Balljungs hatten sich auf ein großes Public Viewing vorbereitet. Mit einer LED-Leinwand wollten sie nach der Vorrunde ein Outdoor-Angebot schaffen, das eine Schar von 1000 Fußballsüchtigen anlocken sollte. Der Plan war, mit dem Achtelfinale gegen Frankreich stolze 21.000 Euro Umsatz zu generieren. Doch nun bleibt nur die bittere Erkenntnis, dass der Traum vom großen Gewinn jäh zerplatzt ist.
Patrick Baier, der Betreiber der Balljungs, nimmt die Situation auf seine Kappe. Mit einem Blick für das große Ganze schätzte er die Erfolgschancen vor dem Spiel auf 80 zu 20. Während andere Public-Viewing-Anbieter wie der Beachclub White Pearl und die Weinbar Bar Rique weiterhin mit ihrer WM-Übertragung glänzen, sieht es bei den Balljungs ganz anders aus. Die beiden genannten Orte haben ihre eigenen LED-Leinwände und zeigen weiterhin die Spiele, ohne sich in die roten Zahlen zu begeben. Der Beachclub plant sogar, die erste Halbzeit des Frankreich-Spiels zu zeigen, während Jannis Bartsch von der Weinbar Bar Rique die Viertelfinals, Halbfinals und das große Finale im Blick hat – und das dank Sponsoren auch ohne finanzielle Schieflage.
Open-Air-Kino als Rettungsanker
Um die finanziellen Verluste auszugleichen, haben sich die Balljungs eine kreative Lösung einfallen lassen: ein Open-Air-Kino! Hier sollen Filme wie „Dirty Dancing“, „Madagascar“, „Mufasa: Der König der Löwen“ und „King Richard“ über die Leinwand flimmern. Auch eine Tatort-Nacht mit Bremer Folgen und der Film „Neue Vahr Süd“ stehen auf dem Programm. Der Eintritt ist mit zwei bis drei Euro mehr als fair und könnte die Kassen wieder füllen. Ein echter Lichtblick in einer ansonsten trüben Zeit.
Das Konzept des Public Viewing ist in der Gastronomie ja nicht neu. Es hat sich seit seiner Einführung im Jahr 2006 in Deutschland nicht nur zum Trend entwickelt, sondern auch zu einer echten Anziehungskraft für neue Gäste und Umsatzsteigerungen. Der Begriff selbst ist seit 2007 im Duden verankert und beschreibt das öffentliche Anschauen von Veranstaltungen auf Großbildleinwänden im Freien. Ob in Turnhallen, Schulen, auf öffentlichen Plätzen oder in unseren geliebten Kneipen – überall wird mitgefiebert, gegessen und getrunken. Die Gastronomie profitiert von diesem Gemeinschaftsgefühl. Aber auch die Balljungs mussten erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.
Die rechtlichen Hürden
Die rechtlichen Aspekte sind ein weiterer Punkt, den man nicht außer Acht lassen sollte, besonders wenn es um Public Viewing geht. Lizenzen, Genehmigungen und all das Gedöns müssen rechtzeitig geregelt werden, damit die Freude beim Schauen nicht durch bürokratische Hürden getrübt wird. Das gilt für die WM 2026, die in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet. Hier können Gastronomen durch Public Viewing auch wieder Umsatzpotentiale ausschöpfen – vorausgesetzt, sie kümmern sich um die entsprechenden Genehmigungen.
Das Ganze wird durch die Zeitverschiebung noch interessanter, denn die Spiele an der US-Westküste beginnen in Deutschland um 23 Uhr oder später. Hier wird man vielleicht die Öffnungszeiten verlängern müssen, um den Fans die Möglichkeit zu geben, das Spiel zu genießen. Und das ist nur der Anfang der Herausforderungen, die auf die Gastronomen zukommen. Wer könnte da nicht ins Schwitzen kommen?
Also, während die Bremer Balljungs sich neu orientieren und mit ihrem Open-Air-Kino durchstarten wollen, bleibt abzuwarten, wie sich die Konkurrenz schlägt. Die WM ist ein großes Geschäft, und die richtige Planung, gepaart mit einer Prise Kreativität, ist der Schlüssel, um die Kassen klingeln zu lassen. Aber hey, ein bisschen Spaß muss auch sein – vielleicht wird die nächste WM ja ein voller Erfolg, nicht nur für die Nationalmannschaft, sondern auch für die Bremer Gastronomie.
